Abgrenzung Walmdach zu Krüppelwalmdach (für vorgeschriebenes Satteldach)

Frage gestellt am: 19.05.2013 um 00:57:19 in der Kategorie: Bau- und Architektenrecht
Einsatz 35,00 €
Status Beantwortet
Die Gemeinde lässt keine Abweichung von einem Satteldach (mind. 30°) zu, obwohl wir gerne eine zweistöckige Stadtvilla (links und rechts mit einstöckigem Anbau) und Walmdach hätten. Wie niedrig darf der Abstand zur Traufe eines Krüppelwalmdaches sein, dass es als Alternative zum Satteldach genehmigt wird, aber noch nicht als reines Walmdach bezeichnet werden kann? Unter 1 Meter?

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Rechtsanwalt Nils Thöldtau
Kanzlei Thöldtau
Tel: 05031 / 51 50 568
Fax: 05031 / 1 59 80
Anschrift: Lange Straße 12, 31515 Wunstorf, Deutschland
Schwerpunkte: Allgemeines Recht, Arbeitsrecht, Handelsrecht, Sozialrecht, Verkehrsrecht
Nachfrage zu: Abgrenzung Walmdach zu Krüppelwalmdach (für vorgeschriebenes Satteldach)
Bitte bezeichnen Sie die örtliche Lage des Baugrundstücks.

Antwort auf Frage (23.05.2013 um 15:22:58)

Rechtsanwalt Nils Thöldtau
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AW: Abgrenzung Walmdach zu Krüppelwalmdach (für vorgeschriebenes Satteldach)
Sehr geehrter Fragesteller,

besten Dank für die Anfrage, die ich anhand des von Ihnen geschilderten Sachverhaltes gerne wie folgt beantworten möchte (meine vorgenannte Nachfrage sehen Sie bitte hiermit als hinfällig an):

Sofern Ihre Gemeinde keine Abweichung von einem Satteldach zulässt, ist auch nur diese Dachform erlaubt. Ich gehe davon aus, dass dieses durch die örtlichen Bauvorschriften Ihrer Gemeinde ggf. in Verbindung mit dem Bebauungsplan des belegenen Grundstücks näher bestimmt ist.

Sofern dort keine Ausnahmetatbestände bzgl. der Dachform  genannt sind, bleibt Ihnen nur die Möglichkeit einen Befreiungsantrag gem. § 31 BauGB an die für Sie zuständige Bauaufsichtsbehörde zu stellen. Dieser bedarf einer stichhaltigen Argumentation.

Die Unterscheidung zwischen Sattel- und Walmdach (und damit auch Krüppelwalmdach) ist in der Rechtspraxis wie der Bautechnik geklärt.

U.a. hat der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg dazu entschieden (Urt. v. 11.03.09 - Az. 3 S 1953/07):

Ein Walmdach unterscheidet sich nach eindeutigen Kriterien von der Dachform des Satteldachs. Ein Satteldach zeichnet sich nach allgemeinem Sprachgebrauchs dadurch aus, dass sich zwei schräge Dachflächen in einer Firstlinie schneiden und an den Seitenwänden des Gebäudes dreieckige Giebel entstehen. Wesentlich sind mithin zwei Elemente: Zum einen ein in gerader Linie verlaufender Dachfirst (der  Sattel) und zum anderen zwei meist auf der Schmalseite verlaufende, von den Dachflächen umschlossene, ein oberes Dreieck bildende und in der Regel senkrecht verlaufende Wandflächen (die Giebel); deswegen ist teilweise auch die Bezeichnung –Giebeldach geläufig. Ein Satteldach liegt auch bei abknickenden Gebäudeteilen (und abknickenden Dachfirsten) vor, sofern beide Gebäudeaußenwände als Giebelwände ausgestaltet sind. Mit den aufgezeigten Merkmalen lässt sich das - durchgehende wie das abknickende - Satteldach von der Dachform des Walmdachs klar abgrenzen. Maßgeblich für ein Walmdach ist, dass - anders als beim Zelt- oder Pyramidendach, bei dem die Dachflächen in einem oberen Punkt zusammenlaufen - zwar ein (im Verhältnis zum Satteldach verkürzter) Dachfirst vorhanden ist, es jedoch an senkrechten Giebelwänden fehlt, weil auch die seitlichen Begrenzungsflächen als abgeschrägte Dachflächen ausgebildet sind (vgl. hierzu VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 27.02.2008 - 3 S 2555/07 -, ESVGH 58, 182 ff.; Urteil vom 17.03.2004 - 5 S 2591/93 -, ESVGH 44, 315). Auch beim Walmdach können die Gebäudeteile und der First abknicken, sofern die Dächer an den abknickenden Gebäudeseiten abgewalmt sind. Sind die Giebel nicht vollständig abgewalmt, sondern enden die seitlichen Dachflächen oberhalb der Traufe des Hauptdachs, spricht man von einem Schopfwalmdach oder Krüppelwalmdach (VGH Bad.-Württ., a.a.O.).

Auch ein Krüppelwalmdach mit verkürztem Sattel (sog. Mittelfirst) ist demnach kein Unterfall des Satteldachs, sondern des Walmdachs, welches gemäß Ihren Angaben nicht erlaubt ist.

Ich hoffe, Ihnen einen ersten Überblick über die Rechtslage gegeben haben zu können.

Bitte bedenken Sie, dass die Beantwortung Ihrer Frage auf der Grundlage des von Ihnen geschilderten Sachverhaltes erfolgt und der darin gemachten tatsächlichen Angaben. Sollten weitere Umstände hinzutreten, kann der Sachverhalt gegebenenfalls anders zu beurteilen sein.

Mit freundlichen Grüßen

Nils Thöldtau
(Rechtsanwalt)

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