Alterdiskriminierung Tarifvertrag

Frage gestellt am: 03.03.2014 um 14:46:49 in der Kategorie: Arbeitsrecht
Einsatz 29,00 €
Status Beantwortet

Ich bin als Immobilienkauffrau in einem Unternehmen angestellt (Baugenossenschaft) in welchem ich auch schon meine Lehre absolviert habe.
Lt. Tarifvertrag werden die Berufsjahr für die Gehaltsstaffelung erst ab dem vollendeten 20. Lebensjahr gezählt. D.h. ich verliere in meinem Fall ein komplettes Berufsjahr, und somit auch eine jedesmal bei einer Tariflichen Gehaltserhöhung ein komplettes Jahr mehr Geld.
Im Moment müsste ich also eigentlich schon seit meiner abgeschlossenen Lehre (31.01.2012) im ersten Berufsjahr sein. Da ich aber erst am 25.04.1993 geboren bin zählt lt. Tarifvertrag das 1. Berufsjahr ab April 2013. D.h. ich bekomme die tariflich vorgesehene Gehaltserhöhung 2-5 Berufsjahr erst ab April 2014. Womit ich einen Verlust von monatlich 280€ brutto verzeichnen konnte.

Nun möchte ich von meinem Arbeitgeber 2 Dinge fodern:
- Abänderung meines Vetrages, in welchem mir (auch für die Zukunft) die Berufsjahre ab
Beendigung meiner Ausbildung angerechnet werden. (Da ich ja sonst nicht nur bei der vergangenen, sondern auch bei den nächsten Gehalterhöhungen immer 1 Jahr verliere.)
- Nachzahlung der 280€ brutto inkl. Rückrechnung auf die letzten Monate (damit kein Steuernachteil für mich)

Sind diese Forderungen rechtens?
Meiner Meinung nach liegt hier vom Tarifvertrag her eine Alterdiskriminierung vor.
Mit welchen Punkten kann ich meine Forderungen bei unserem Vorstand rechtfertigen?

(Tarifvertrag der Wohnungswirtschaft Bayern)

Vielen Dank vorab für Ihre Hilfe!!

Mit freundlichen Grüßen,
R. S.

Antwort auf Frage (04.03.2014 um 10:52:09)

Rechtsanwalt Marc Nathmann
Nathmann
Tel: 09281/7792877
Anschrift: Königstrasse 76, 95028 Hof a. d. Saale, Deutschland
AW: Alterdiskriminierung Tarifvertrag
Sehr geehrte Fragestellerin,

Sie sind hier in der Tat auf ein interessantes Problem gestoßen. Diese Frage ist gerade zur Entscheidung beim EuGH anhängig. Allerdings betont das Bundesarbeitsgericht (BAG) in ständiger Rechtsprechung, dass die Tarifparteien einen sehr weiten Gestaltungsspielraum haben. Insoweit ist die Frage nach der Rechtmäßigkeit Ihrer Forderungen leider nicht abschließend eindeutig zu beantworten.

Allerdings sollten Sie Ihre Forderung durchaus an Ihren Arbeitgeber adressieren. Sie sollten darauf hinweisen, dass Sie Gehaltseinbußen haben und dies zumindest europarechtlich fraglich ist.
Allerdings handelt Ihr Arbeitgeber den Tarifvertrag nicht selbst, sondern idR über den zuständigen Arbeitgeberverband aus. Insoweit ist er auch an diese Verhandlungsergebnisse (wie Sie auch) gebunden, ohne selbst größeren Einfluss nehmen zu können. Ein Rechtsanspruch direkt gegen Ihren Arbeitgeber ist daher zweifelhaft. Ein Tarifvertrag entfaltet ja grundsätzlich Wirkung für alle Betroffenen.

Denkbar wäre aber, dass Sie eine Lösung im Gegenseitigen Einvernehmen finden - z.B. über Boni. Wie weit Sie Ihre Forderung durchsetzen können hängt dann von Ihrem Verhandlungsgeschick ab.

Ansonsten bleibt Ihnen noch die Möglichkeit einen Arbeitsvertrag außerhalb des Tarifvertrags zu schließen. Das bringt allerdings Nachteile z.B. in Bezug auf Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und evtl. Abfindungen.

Mit freundlichen Grüßen

Marc Nathmann
- Rechtsanwalt -

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