Grunderwerbsteuer lässt sich nicht umgehen

Verfasst am: 20.05.2015 um 15:36:29 in der Kategorie: Steuern allgemein

Ratgeber: Grunderwerbsteuer lässt sich nicht umgehen

München (jur). Bei einem Grundstücksverkauf lässt sich die Grunderwerbsteuer durch vertragliche Aufspaltung nicht umgehen. Das geht aus einem am Mittwoch, 20. Mai 2015, veröffentlichten Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) in München hervor (Az.: II R 9/14). Übernimmt der Erwerber den Bau oder Innenausbau einer Immobilie tatsächlich in eigener Regie, bleibt dies danach aber grunderwerbsteuerfrei.

Die Grunderwerbsteuer wird nicht nur auf das Grundstück selbst erhoben, sondern auch auf den Wert der Bebauung. Bei einer neuen Bebauung kann dies nach ständiger BFH-Rechtsprechung nicht dadurch umgangen werden, dass der Grundstücksverkauf den Bauarbeiten vorgeschaltet wird. Auch dann wird die Immobilie in die Steuer einbezogen, wenn beim Grundstücksverkauf bereits verabredet war, dass der Verkäufer noch ein Haus baut oder die Bebauung beauftragt.

Nach dem neuen Urteil gilt Entsprechendes auch für den Innenausbau.

Die Klägerin aus Nordrhein-Westfalen hatte 2007 ein Grundstück mit einem fertig verklinkerten Einfamilienhaus mit Garage als Rohbau gekauft. Den Innenausbau sollte sie laut Kaufvertrag in eigener Regie übernehmen. Allerdings zeigte wenig später das verkaufende Unternehmen den Beginn des Innenausbaus beim örtlichen Bauamt an und benannte dort auch einen Bauleiter.

Das Finanzamt meinte, das „wirtschaftlich gewollte Ergebnis“ des Grundstücksverkaufs sei ein bezugsfertiges Haus gewesen. Zur Berechnung der Grunderwerbsteuer schlug es daher auf den Kaufpreis für Grundstück und Rohbau 180.000 Euro für Innenausbau und Gartenbau auf.

Wie nun der BFH entschied, kommt es auch hier darauf an, ob der Innenausbau im Zeitpunkt des Grundstücksverkaufs bereits verabredet war und auch der Preis zumindest im Wesentlichen feststand. Das sei auch anzunehmen, wenn der Grundstücksverkäufer die Angebote für den Innenausbau eingeholt und an den Erwerber weitergeleitet hat. Insgesamt sprächen wirtschaftliche, personelle oder gesellschaftsrechtliche Verbindungen zwischen dem Grundstücksverkäufer und den Ausbau-Unternehmen für eine Einbeziehung des Innenausbaus in die Grunderwerbsteuer.

Für einen steuerfreien Innenausbau in Eigenregie spreche es dagegen, wenn die Käufer ganz wesentlich von den ursprünglichen Plänen abweichen. Auch Eigenleistungen seien nicht in die Grunderwerbsteuer einzubeziehen, bekräftigte der BFH in seinem jetzt schriftlich veröffentlichten Urteil vom 3. März 2015.

Den konkreten Fall soll danach nun das Finanzgericht Düsseldorf nochmals prüfen.

 

Quelle: © www.juragentur.de - Rechtsnews für Ihre Anwaltshomepage

 

 

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