Medizinstudenten bei der Geburt nur mit Zustimmung der Mutter

Verfasst am: 13.10.2014 um 08:39:48 in der Kategorie: Medizin/Pharmazie

Ratgeber: Medizinstudenten bei der Geburt nur mit Zustimmung der Mutter

Straßburg (jur). Medizinstudenten dürfen nicht ohne Zustimmung der Schwangeren bei einer Geburt zusehen. Die Patientin ist vorab deutlich auf entsprechende Pläne hinzuweisen und über ihr Widerspruchsrecht zu informieren, urteilte am Donnerstag, 9. Oktober 2014, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg (Az.: 37873/04). Es sprach damit einer Russin eine Entschädigung von 3.000 Euro zu.

Sie hatte nach dem Beginn vorzeitiger Wehen am frühen Morgen eine Klinik aufgesucht. Dort erhielt sie eine Broschüre, die auch über das Ausbildungsprogramm der Klinik informierte. Daran würden „alle Patienten beteiligt“, hieß es.

Wegen der vorzeitigen Wehen war die 18-Jährige stark erschöpft. Sie erhielt wehenhemmende Medikamente und Schlafmittel. Die Entbindung war dann für den Folgetag angesetzt. Nach eigenen Angaben widersprach die Patientin im Kreissaal der Anwesenheit von Medizinstudenten. Während der gut halbstündigen Geburt waren dennoch mehrere Studenten und unbeteiligte Ärzte anwesend. Diese waren offenbar auch über ihren gesundheitlichen Zustand und über die bisherige Behandlung informiert worden.

Durch dieses Vorgehen der Klinik sah die junge Frau ihre Persönlichkeitsrechte verletzt. Ihre entsprechende Klage wiesen die russischen Gerichte jedoch ab.

Vor dem EGMR hatte ihre Beschwerde nun Erfolg. Ihr Recht auf Privatleben sei verletzt.

Zwar sei die Teilnahme von Medizinstudenten bei einer Geburt durchaus zulässig und hier nach russischem Recht auch vorgesehen gewesen. Jedenfalls damals, 1999, sei das russische Recht aber einseitig auf die Belange der medizinischen Ausbildung ausgerichtet gewesen, ohne die Rechte der Patientinnen ausreichend zu schützen.

So mache die Klinikbroschüre nur sehr vage Angaben. Zudem erwecke sie den Eindruck, dass die Teilnahme der Studenten verbindlich sei, rügten die Straßburger Richter. Und schließlich sei die Frau auch nicht über Alternativen informiert worden, wenn sie mit der Anwesenheit Dritter nicht einverstanden sei.

Quelle: © www.juragentur.de - Rechtsnews für Ihre Anwaltshomepage

 

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