Physiotherapeuten dürfen nur mobilisieren und nicht einrenken

Verfasst am: 06.03.2015 um 15:54:16 in der Kategorie: Arzt-/Medizinrecht

Ratgeber: Physiotherapeuten dürfen nur mobilisieren und nicht einrenken

Hamm (jur). Physiotherapeuten dürfen Verspannungen im Bereich der Wirbelsäule nicht mit einem „Einrenken“ oder anderen „Manipulationen“ zu Leibe rücken. Sie müssen sich auf die „Mobilisation“ beschränken, also auf die Verbesserung der Beweglichkeit, wie das Oberlandesgericht (OLG) Hamm in einem am Freitag, 6. März 2015, bekanntgegebenen Urteil entschied (Az.: 26 U 44/14). Den Nachweis, dass ein Physiotherapeut seine Kompetenzen überschritten hat, muss danach im Streitfall allerdings der Patient erbringen.

Damit wies das OLG die Schadenersatzklage eines damals 34-jährigen Tischlers ab. Gegen seine Verspannungen im Rücken- und Nackenbereich hatte ihm sein Arzt physiotherapeutische Behandlungen verordnet. Nach der vierten Behandlung spürte der Patient linksseitige Lähmungserscheinungen. Wie sich herausstellte, gingen diese auf einen durch eine Gefäßwandverletzung der Wirbelarterie ausgelösten Hirninfarkt zurück.

Wegen dauerhafter Folgeschäden musste der Tischler zum Groß- und Außenhandelskaufmann umschulen. Von seiner Physiotherapeutin verlangte er Schadenersatz sowie ein Schmerzensgeld von 110.000 Euro. Die Physiotherapeutin habe „ein unzulässiges Einrenkmanöver durchgeführt“ und habe dabei die Arterie verletzt.

Doch ein gerichtlicher Sachverständiger konnte keine Fehlbehandlung feststellen. Der Patient habe nicht nachweisen können, dass er „mit einer nur den Ärzten vorbehaltenen Manipulation“ behandelt worden sei, befand daher auch das OLG Hamm in seinem inzwischen rechtskräftigen Urteil vom 19. Dezember 2014.

Bei der als „Einrenken“ empfundenen Behandlung habe es sich durchaus auch um eine fachgerecht ausgeführte Mobilisation handeln können. Allein der zeitliche Zusammenhang zwischen der Behandlung und dem Hirninfarkt belege keine unzulässige Manipulation, weil die Arterie des Klägers bereits vorgeschädigt gewesen sein könne, urteilte das OLG.


Quelle: © www.juragentur.de - Rechtsnews für Ihre Anwaltshomepage

 

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