Schadenersatz durch Stromausfall beim Wechsel des Stromzählers

Frage gestellt am: 16.06.2015 um 16:56:24 in der Kategorie: Schadensersatz und Schmerzensgeld
Einsatz 49,00 €
Status Bezahlt

Netzbetreiber A teilt schriftlich mit, dass im Zeitraum von 4 Wochen der Zähler nach gesetzlichen Vorgaben ausgetauscht werden muss. Für den Fall dass der Mieter B, den dies betrifft, nicht angetroffen wird, wird eine Terminkarte zur individuellen Terminvereinbarung angekündigt. Da Mieter B innerhalb des angekündigten Zeitraums für 2 Wochen in Urlaub ist, setzt er sich telefonisch mit A in Verbindung. Er erhält die Auskunft, dass ein Termin vorab nicht vereinbart werden kann. Die Mitarbeiter von A würden jedoch mehrmals versuchen, B zu erreichen, sollte dies nicht möglich sein, werde die angekündigte Terminkarte hinterlassen. Als B nach 2 Wochen aus dem Urlaub zurück kehrt, stellt er fest, dass die Sicherung, an der der Gefrierschrank abgesichert ist, ausgelöst hat. Sämtliche Tiefkühlware ist verdorben.  Eine Überprüfung des Zählers im frei zugänglichen Keller ergbit, dass der Zähler 4 Tage vor Bs Rückkehr aus dem Urlaub von A ausgetauscht wurde. Hierdurch ist offensichtlich ein Kurzschluss ausgelöst worden, der die Sicherung in Bs Wohnung auslöste. B meldet den Schaden telefonisch unmittelbar am ersten Werktag nach der Feststellung des Schadens. Per EMail erhält B die Mitteilung von A, dass kein Schadenersatz geleistet werde, da 1. das angegebene Telefonat von B mit dem Hinweis auf die Urlaubsabwesenheit nicht nachvollziehbar sei, 2. die Höhe des Schadens z.B. 100,--€, nicht nachgewiesen sei und 3. leichte bzw. einfache Fahrlässigkeit des A nicht vorliege. B kann jedoch auf Grund der Einzelverbindungsnachweise seiner Telefonrechnung ein Gespräch mit A unmittelbar vor Urlaubsbeginn nachweisen.

Soll B den Schaden notfalls gerichtlich einklagen, hat er Aussicht auf Erfolg? Da B keine Rechtschutzversicherung in Anspruch nehmen kann, wird er die Kosten des Rechtsstreites zunächst selbst zahlen müssen. Hierzu ist B bei Aussicht auf Erfolg auch bereit.

Mit freundlichen Grüßen RolTus

Antwort auf Frage (16.06.2015 um 20:44:02)

Rechtsanwalt Jürgen Vasel
Rechtsanwalt Jürgen Vasel
Tel: 0551/43600
Fax: 0551/43620
Anschrift: Reinhäuser Landstraße 80, 37083 Göttingen, Deutschland
Schwerpunkte: Bau- und Architektenrecht, Familienrecht, Mietrecht und WEG, Sozialrecht, Vertragsrecht
AW: Schadenersatz durch Stromausfall beim Wechsel des Stromzählers

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

da der Netzbetreiber nach Ihrer Schilderung das von ihm selbst angekündigte Verfahren (bei Nicht-Antreffen mehrmaliger Versuch, Kunden zu erreichen, sodann Hinterlassen einer Terminkarte) nicht eingehalten hat und dies ursächlich für den Ihnen entstandenen Schaden war, halte ich Erfolgsaussichten für durchaus gegeben.

Sie müssen allerdings den Inhalt der Ankündigung des Netzbetreibers beweisen können, außerdem die Höhe des Schadens, des weiteren, daß Sie überhaupt urlaubsabwesend waren und daß keine andere Person Zugang zur Wohnung hatte.

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Auskünften gedient zu haben und weise darauf hin, daß diese auf Ihren Angaben beruhen. Bereits geringfügige Abweichungen des Sachverhalts können zu einer anderen rechtlichen Bewertung führen.

Nutzen Sie im Zweifelsfall gern die kostenlose Nachfragefunktion!

Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Vasel

Rechtsanwalt Jürgen Vasel
e-mail: anwalt@ra-vasel.de
Internet:www.ra-vasel.de

Folgende Rückfrage wurde gestellt (17.06.2015 um 10:56:16)

Sehr geehrter Herr RA Vasel, vielen Dank für Ihre Antwort.

Zu Ihren Hinweisen folgende Ergänzungen von mir. Schriftlich teilt Netzbetreiber mit: "Sollten unsere Mitarbeiter Sie nicht antreffen, erhalten Sie eine Terminkarte. Wir bitten um Verständnis, dass aus organisatorischen Gründen eine individuelle Terminabsprache erst mit Hinterlassen der o. g. Terminkarte möglich ist."

In einem von mir danach geführten Telefonat mit dem Netzbetreiber wurde mir dann mündlich versichert, dass man mehrmals versuchen wird, mich zu erreichen, um dann ggf. eine Terminkarte zu hinterlassen. Das Telefonat kann nachgewiesen werden, naturgemäß jedoch nicht der Inhalt.

Desweiteren kann die Urlaubsabswesenheit nachgewiesen werden.

Die Höhe des Schadens kann bei Gefriergut, das Monate im Gefrierschrank liegt nicht mit Quittungen nachgewiesen werden. Reicht hier eine Versicherung an Eides statt und möglicherweise der Neukauf der zuvor eingelagerte Lebensmittel zu etwa dem gleichen Preis und der gleichen Menge, um dann eine belastbare Schadenhöhe zu haben?

Befreundete Personen hatten Zugang zur Wohnung, um z.B. die Blumen zu versorgen. Dies geschah jedoch tagsüber, so dass der Stromausfall von diesen nicht bemerkt wurde. Sie wurden von mir auch nicht über den Zählerwechsel informiert, da hierzu für mich  keine Veranlassung bestand auf Grund des vom Netzbetreiber mitgeteilten Verfahrens der Terminabsprache.

Der Netzbetreiber haftet bei leichter bzw. einfacher Fahrlässigkeit, wie dieser selbst schriftlich mitteilt. Als Definition  erklärt er: "Der Netzbetreiber handelt einfach fahrlässig, wenn er bei Errichtung, Betrieb, Unterhaltung oder Überwachung seiner Anlagen die anerkannten Regeln der Technik nicht beachtet."

Pauschal erklärt er hierzu: "Dies ist jedoch nicht der Fall."

Muss ich und wenn ja wie soll ich nachweisen, dass der Zählerwechsel ursächlich für den Kurzschluss war. Es sind letztendlich nur Indizien dafür vorhanden, dass der Zeitpunkt des Zählerwechsels mit dem Kurzschluss in Verbindung steht. Z. B. Im aufgetauten Gefriergut/Wasser noch kleine Reste von Eis, Die Nachfrage bei anderen Hausbewohnern über einen möglichen Stromausfall im gesamten Haus verliefen negativ. Nur mein Wohnung war betroffen,

Ändert sich Ihre Einschätzung über den Erfolg einer Klage unter den von mir hier noch genannten Gesichtspunkten.

Ich bin gewillt, das gerichtlich durchzusetzen, wenn eine begründete Aussicht auf Erfolg der Klage besteht. Andenfalls wäre es unsinnig, dem entstandenen Schaden, selbst wenn der Wert bei 200,--€ liegt, noch gutes Geld hinterher zu werfen. Ich hätte dann zwar eine enorme Wurt im Bauch und "einen dicken Hals" über diese Ungerechtigkeit. Das würde sich aber sicherlich legen.

In der Hoffnung auf Ihre ergänzende Einschätzung im Hinblick auf die genannten Ergänzungen verbleibe ich.

Mit freundlichen Grüßen

RolTus 

Die Rückfrage wurde wie folgt beantwortet (17.06.2015 um 23:07:10)

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

die Höhe des Schadens könnte vom Gericht geschätzt werden. Sie können zur Höhe des Schadens auch unter Eid vernommen werden (§§ 287, 452 ZPO).

Grundsätzlich müssen Sie auch beweisen, daß der Zählerwechsel ursächlich für den Kurzschluß bzw. das Auslösen der Sicherung war. Insofern könnte Ihnen jedoch der sog. „Beweis des ersten Anscheins“ helfen. Daß im Zuge eines Stromzählerwechsels Spannungsschwankungen auftreten können, die elektrische Geräte beschädigen, ergibt eine überschlägige Internetrecherche (Suchbegriffe: stromzählerwechsel schaden).

Fraglich ist u. U. jedoch, ob und wann Ihnen selbst der Ausfall des Gefrierschranks aufgefallen wäre, wenn Sie während des Stromzählerwechsels vor Ort gewesen wären.

Wenn der Schaden tatsächlich „nur“ in der Größenordnung von 200 € liegen sollte, ist auch zu berücksichtigen, daß die mit einer Klage verbundenen Kosten unverhältnismäßig hoch sind. Sie müßten Gerichtskosten von 105,00 € vorausbezahlen. Ein Anwalt würde kosten: 157,68 €. Wenn Sie vollständig gewinnen, bekommen Sie die Kosten zwar erstattet. Wenn Sie nur teilweise gewinnen oder einen Vergleich schließen, werden Sie aber auf einem Großteil der Kosten sitzen bleiben: selbst wenn Ihnen z. B. 65 % der Klagesumme, also 130 € zugesprochen würden, würde Ihr Nettogewinn nur 4,52 € betragen. Bei einem entsprechenden Vergleich sähe es ähnlich aus.

Von einer Klage würde ich daher letztlich doch eher abraten.

Eine Überlegung wäre, ein anwaltliches Forderungsschreiben an den Netzbetreiber zu schicken. Dies würde Sie 83,54 € kosten. Wenn Sie mich damit beauftragen, würde ich die Hälfte des hier gezahlten Honorars anrechnen, Sie müßten also nur 59,04 € an mich bezahlen.

Mit freundlichen Grüßen

Vasel
Rechtsanwalt

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