Schenkungsteuer

Frage gestellt am: 13.03.2013 um 16:57:49 in der Kategorie: Erbrecht
Einsatz 35,00 €
Status Beantwortet
Hallo, am 19.10.2012 habe ich meiner Mutter meine Hälfte der Eigentumswohnung als Schenkung überlassen, die andere Hälfte hatte sie 2011 vom Bruder meiner Oma (ihrer Mutter) geerbt. Da musste sie auch keine Erbschaftssteuer zahlen, da die Steuerklasse 1 zum Tragen kam. Nun will das FA 1.125 Euro Schenkungsteuer von meiner Mutter, weil sie den Wert der Wohnung auf 61.220 Euro beziffert hat, die Hälfte also 30.610 Euro und meine Mutter in die Steuerklasse 2 Nr. 1 gestuft wurde und da sind es nur 20.000 Euro Freibetrag. Da die Wohnung vermietet ist wurden auch noch 3092 Euro abgezogen also insgesamt 23.092 Euro bleiben also noch 7.500 Euro steuerpflichtiger Erwerb. Nun habe ich zwei Fragen:

1. Die Wohnung wurde wie gesagt für 41000 Euro gekauft, wie kann es sein, dass sie jetzt nach 10 Jahren plötzlich über 20000 mehr wert ist? Die Wohnung ist 63 qm groß und in einem Hochhaus und da ist absolut nichts Luxuriöses, alles ganz einfach, wir haben da auch die Jahre nichts wirklich Großes gemacht.

2. Kommt bei uns nicht auch die Steuerklasse 1 zur Geltung da wir doch Mutter und Tochter sind? Über etwas Licht im Dunkel würde ich mich sehr freuen!! :-)

LG, Lena

Antwort auf Frage (13.03.2013 um 17:24:52)

Rechtsanwalt Dipl.- Wirtschaftsjurist (IDB) Alexandros Papassimos
Altstadtkanzlei Papassimos
Tel: 0571 730721400
Fax: 0571 730721409
Anschrift: Brüderstr. 4, 32423 Minden, Deutschland
Schwerpunkte: Arbeitsrecht, Arzt-/Medizinrecht, Erbrecht, Immobilienrecht, Ordnungswidrigkeiten
AW: Schenkungsteuer
Sehr geehrte Ratsuchende,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die anhand Ihrer Informationen wie folgt beantworte:

Zunächst rate ich Ihnen Einspruch gegen den Steuerbescheid einzulegen. Parallel sollten Sie das Finanzamt anschreiben und darum bitten, dass es Ihnen die Berechnungsgrundlage vorweist und welche Rechtslage zugrundegelegt wurde.

Da ich nicht in den Steuerbescheid gucken kann, fehlen mir für eine weitergehende Beurteilung die Einzelheiten.

Als 2009 ein neues Erbschaftsteuergesetz in Kraft trat, wurde von Anfang an kritisiert, dass Geschwister sowie Neffen und Nichten wie entfernte Verwandte behandelt werden. Das Wachstums-Beschleunigungsgesetz  entlastete dann diese Erbengruppe ab 2010, indem es die steuerliche Belastung von 30 bzw. 50 Prozent in ein Stufensystem von 15 bis maximal 43 Prozent (für Erbschaften von mehr als 26 Millionen Euro) umgewandelt hat.


Härteausgleich

Wie bei der Einkommensteuer gibt es auch bei der Erbschaftsteuer eine Progression, der Steuersatz steigt stufenweise an. Ein geringfügiges Überschreiten einer solchen Grenze hätte eine unangemessen hohe Steuerbelastung zur Folge. Erbt beispielsweise jemand von seinem Bruder 90 000 Euro, sind – nach Abzug des Freibetrags von 20 000 Euro – 10 500 Euro Steuer fällig. Beträgt das Erbe hingegen 100 000 Euro, müsste der Begünstigte 16 000 Euro Erbschaftsteuer zahlen, weil der Steuersatz von 15 auf 20 Prozent steigt.

Um diese Härten zu vermeiden, werden die Steuersprünge durch eine Härteausgleichformel abgemildert: Bis zum Grenzwert gilt der niedrigere Steuersatz, der darüber hinausgehende Betrag wird nach einer speziellen Formel berechnet. Im Beispiel reduziert sich durch den Härteausgleich die Erbschaftsteuer von 16 000 auf 13 750 Euro.

Je höher das Erbe einen Grenzwert überspringt, desto mehr nähert sich die durch die Härteformel gemilderte Steuerbelastung der direkt berechneten an und erreicht sie schließlich.

In Abhängigkeit vom Verwandtschaftsverhältnis zwischen Erben und Erblasser kommen nachfolgende Freibeträge (in Euro) zum Ansatz:

Verwandtschaftsgrad

Steuerklasse

Allgemeiner Freibetrag

Versorgungsfreibetrag

Ehepartner

I

500.000,-

256.000,-

Kinder, Stief-, Adoptivkinder sowie Enkel, deren Eltern bereits verstorben sind

I

400.000,-

10.300,- bis 52.000,-

Enkel, deren Eltern noch leben, Urenkel

I

200.000,-

0,-

Nur im Todesfall: Eltern und Großeltern

I

100.000,-

0,-

Geschiedener Ehegatte, ehemalige gleichgeschlechtliche Lebenspartner, Geschwister, Neffe, Nichten, Schwieger-, Stiefeltern, Schwiegerkinder. Nur bei Schenkung: Eltern und Großeltern

II

20.000,-

0,-

sonstige

III

20.000,-

0,-

eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartner

III

500.000,-

256.000,-

 

Verwandtschaftsgrad

Steuerklasse

Freibetrag für Hausrat, Kleidung, Wäsche

Freibetrag für Kunst, Sammlungen, Autos, Boote

Ehepartner / eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartner

I / III

41.000,-

12.000,-

Kinder, Stief-, Adoptivkinder sowie Enkel, deren Eltern bereits verstorben sind

I

41.000,-

12.000,-

Enkel, deren Eltern noch leben, Urenkel

I

41.000,-

12.000,-

Nur im Todesfall: Eltern und Großeltern

I

41.000,-

12.000,-

Geschiedener Ehegatte, ehemalige gleichgeschlechtliche Lebenspartner, Geschwister, Neffe, Nichten, Schwieger-, Stiefeltern, Schwiegerkinder. Nur bei Schenkung: Eltern und Großeltern

II

zusammen 12.000,-

sonstige

III

zusammen 12.000,-

Der den Freibetrag übersteigende Erwerb unterliegt der Erbschaftsteuer. Welcher Steuersatz zur Anwendung kommt, richtet sich nach der jeweiligen Steuerklasse und damit wiederum nach dem Verwandtschaftsverhältnis zwischen Erbe und Erblasser.

Beachten Sie bitte, dass dieser Dienst hier den Gang zu einem ortsansässigen Anwalt nicht aufheben kann. Bei einem Besprechungstermin können durch Einsicht in die Unterlagen wichtige Informationen hervorkommen, die eine andere Beurteilung zulassen könnten.

Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Papassimos

Rechtsanwalt

 






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